Vorwort: Ursprünglich ist “Balkan Unchained” die hochwertige journalistische Reiseerzählung eines Roadtrips zweier junger (ok, das jung streichen wir später noch raus) Fotografen (muss man das so nennen? klingt so dämlich) mit einem Automobil (nennen wir später noch “Elfriede” damit es persönlicher scheint), die den sicken Powder (!Zielgruppensprache!) im Balkan (Karte einfügen, weiss ja keine Sau wo das ist) shredden und in die Skikultur im Dinarischen Gebirge eintauchen (das klingt als kennen wir uns geografisch top aus). Zwischen dieser Idee und dem nun Folgenden Stück (Chatprotokoll wäre treffender) ging irgendetwas schief. Sachdienliche Hinweise bitte in die Kommentarspalte. (Tipp: Die klassische Reiseerzählung versteckt sich hinter diesem Link).

Powder+: Schon wieder die Django CD?

Der Brecher: Is dir nicht gut genug um sie 3 Tage am Stück zu hören, oder was?

P+: Dreihundertdrölfmal in 14 Tagen auf 500 Millionen Kilometer, da könnte man dann meinen, es wird irgendwann fad. Weil eigentlich wollten wir ja Skifahren. Jim Croce – I Got A Name geht schon echt gut. Damit kann man auch mal den Viertageszustieg in Albanien in 3h herunterspulen.

 

Der Brecher: Lohnt sich auch! Vier Tage Zustieg bedeuten ja vier Tage Abfahrt. Halt doof, wenn es nur Bruchharsch gibt.

P+: Immerhin war mal Schönwetter. Das erste Mal nach nur Schneefall und Schneechaos und allgemeiner Nebel-Unsicherheit-wir-machen-besser-nichts-als-irgendwas im Kosovo und Bosnien. Und du musstest nicht wegen einer kaputten Bindung einbeinig bergab telemarken.

B: Guck ma, die Franzosen haben uns ne Spur gelegt! Ah nee, wart ma. Die führt ja zum falschen Couloir. Hm… Ganz schön steil. Und sehen kann man auch nicht weit…

P+: So richtig einfache Genussskitourenberge sind das da nicht im Valbonatal. Aber geil. Man kann sich halt nicht gerade am nächstbesten beheizten Achtersessel zur blauen Piste orientieren. Der Balkan ist definitiv nicht Tirol. Die Wolfsspur hat aber schon sehr bei der Wegfindung geholfen!

Ob der Wolf die Spurfranzosen aufgefressen hat?

B: Hat sie bestimmt das falsche Couloir runtergejagt und musste unten dann nur noch kauen. Voll der Fuchs!

Ah, und lass ma bitte wieder den Django Soundtrack anmachen, hab ich schon so lange nicht mehr gehört.

P+: Ich geh ja in dem Lied voll auf: Trinity (Titoli) (Annibale E I Cantori Moderni)

 

B: Welcher Spur folgen wir morgen denn?

P+: Es gibt ja nur zwei Spuren im ganzen Tal, die eine hatten wir, also nehmen wir morgen die andere. Es ist schon recht beruhigend und bequem einer Spur zu folgen und zu wissen, die Spurenden wurden nicht von Wölfen oder Bären aufgefressen.

B: Sehr. Ich persönlich hätte ja gar nichts dagegen, die aktuellen Schneeverhältnisse gegen die aus Bosnien zu tauschen. Halt ohne Nebel dann. Können wir das mal machen? Ja?

P+: Du meinst wir tauschen keinen Schnee gegen ein Skigebiet mit mehreren Liften, von denen aber nur einer vielleicht gerade so laufen könnte, aber dann letztlich doch nicht läuft, weil keiner Lust auf arbeiten hat oder gerade kein Geld für den nötigen Diesel vorhanden ist?

B: Na wenn die Sicht besser ist, haben die bestimmt auch mehr Lust am Berg abzuhängen. Und dann könnte auch mal einer der oberen Lifte aufmachen. Könnte man meinen. Wissen tut man es nicht.

P+: Ich vermute ja sie machen den Lift nur einmal im Schaltjahr an und schlürfen sonst nur ihren Makiato.

B: Hmmm… Makiato… <3

B: Also Dude, man kann über den Balkan sagen was man will: An gutem Kaffee mangelt es nicht.

P+: Auf keinen Fall. Der traditionelle Hausschnaps, der zum Kaffee gereicht wird ist auch ein echter Sympathieträger.

B: Finde es auch schön, dass man im Kosovo zu jeder Tages- und Nachtzeit so viel Schnaps trinken kann wie man will, ohne schief dafür angeschaut zu werden. Tradition ist was Feines. Wenn die Leute jetzt noch anfangen würden bei Nacht Kleidung zu tragen die man gut sieht, statt komplett in Schwarz über die Straße zu wandern, wäre ich noch größerer Fan.

P+: Die Schlaglöcher waren doch so etwas wie eine hinreichende Richtungsweisung, damit man weiß, wo sich die Strasse befindet. Ich fand diese Mannequins in Gjakova doch schon sehr adrett wie sie da am Strassenrand aufgereiht waren, obwohl der Shop geschlossen war. Da man scheinbar so viele von denen hat, hätte man ja an jedes Schlagloch auf den Straßen eines stellen können. Rein dekorativ betrachtet, wäre das ein Fortschritt. Diesen Tipp müssen wir unbedingt den KFOR Truppen weitergeben.

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Ungründliches Arbeiten kann man den mazedonische Grenzbehörden nicht vorwerfen.

P+: Hast du noch was von dem Schnaps den wir durch die zweistündige Auto-Komplett-Drogenkontrolle in Mazedonien geschmuggelt haben?

B: Jup. Steht sicher verwahrt in der Beifahrertür 😀 Schnappo schmeckt aus Plastikflaschen auch einfach viel besser.

Irgendwie fühle ich mich jetzt aber auch gut. Wurde noch nie vorher verdächtigt mehrere Kilo Drogen transportiert zu haben

P+: Wir hätten bei der Grenzfrage “Haben sie Drogen dabei?” vielleicht nicht lachen sollen.

B: DAS halte ich für ein Gerücht!

B: Was wir aber definitiv hätten tun sollen ist, Elfriede in Sarajevo in ein Parkhaus zu stellen, statt sie auf dem unbewachten Parkplatz neben den Barackensiedlungen stehen zu lassen. Zu was für Dummheiten man von einem Kater verleitet wird… Aber ich hatte so Hunger…und fahren konnte ich noch nicht!

P+: Das Antikater-Megafleischsandwich war schon sehr schmackhaft. Richtig schön Balkanstyle in der Hinterhofklitsche auf Plastikstühlen.

P+: Der ein-Euro-fünfzehn für das Parkhaus wäre ne top Investition gewesen. So im Nachhinein ist man ja immer schlauer. Dafür haben wir die authentischste Polizeistation der Welt gesehen. Die Außenwand durchsiebt von Einschusslöchern vom Balkankrieg, ein Polizist, der uns nicht mehr wiedererkennen will, diese depressive, verrauchte Grundstimmung kombiniert mit allgemeiner Arbeitsverweigerung. Und dazu zwei deutsche Langhaardeppen, die eine geile bosnische “Übersetzerin” nach der anderen anschleppen.

B: Hat denen aber dann auch ganz gut gefallen glaub ich. Also den männlichen Polizisten.

P+: Dieser Kommissar im zerschossenen Polizeipräsidium macht mir ja heute noch zu schaffen. Das Bild eines abgekämpften, kettenrauchenden Kriegsveteranen und gleichzeitig gelangweilter Serienjunkie und Arbeitsverweigerer passt nicht so ganz in mein Bild klassischer mitteleuropäischer Gewaltenteilung.

Ich schau mir gerade unsere Strecke an. Puh. Da ist Elfriede ganz schön was rumgekommen. Kosovo Montenegro, Mazedonien, Serbien, Albanien, Kroatien, Slovenien und Österreich.

B: Hatten auch keinen Unfall. Bis du zum ersten Mal gefahren bist…

P+: Wer rechnet denn nach 400 Kilometern damit, dass einem plötzlich dann doch mal ein Auto entgegenkommt?! Ich finde Elfriede hat den Tapejob am Außenspiegel mit Würde getragen. Das Silber stand ihr richtig gut.

B: Ist halt ne Hübsche. Bin auch recht froh, dass wir tatsächlich alle Einzelteile von dem Spiegel auf der dunklen Straße wiedergefunden haben. Und dass Tape der Beste ist, wissen wir ja alle.

B: Alter, schon wieder die Django CD!

P+: Balkan unchained eben! Django, das morgendliche Kaffee und Obstmüsliritual mit Bialetti und Tupperwarenschüsselchen. Jetzt hab ich Bock durch den bosnischen Sturmwald zu düsen und meine Füße an der Hotelheizung bei gratis Wifi und einem 85 Cent Bier zu trocknen!

B: Und sich im Anschluss mit den Slowaken in ihrer Bude zu betrinken. Wieso dreht sich eigentlich gefühlt jeder zweite Satz um Alkohol?

P+: Weil man mit Alkohol besser um diesen verflixt engen Baumbewuchs kurven kann?

B: Also ich nicht…

B: Wie viele Km sind wir eigentlich insgesamt gefahren? War ja schon ne kleine Strecke.

P+: In CD-Längen gerechnet etwa “nur noch einmal die Django Unchained”

B: Und noch mal und noch mal. Und dann noch mal: „His name was King. He had a horse“

P+: Esel, das war ein Eselkarren, der uns an der Tankstelle überholte!

Können wir hier aufhören? ich hab gleich noch einen “Termin” und die Chefredaktion hat gesagt, maximal fünfmal scrollen, es lesen eh nur 2% bis hierhin, 98% sind schon wieder beim Katzenbilder auf Instagram schauen.

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