Der zweite Teil Training für Freerider befasst sich mit dem Profi-Training. Skifahren ist eine anspruchsvolle Sportart. Wer richtig gut darin werden möchte, muss einiges Tun damit er auf hohem Level den Sport betreiben kann. Phil Anker hat sich auf das Training von angehenden und etablierten Freeridern spezialisiert. Individuelles Hochleistungs-Training für den Erfolg der Schützlinge ist das erklärte Ziel. Wir haben mit ihm darüber gesprochen und wie man als ambitionierter Sportler durch gezieltes Training seine Leistung beim Freeriden steigern kann.

Freeriden entwächst allmählich aus den Kinderschuhen einer Trendsportart. Sponsoren auch anderer Industrien springen auf den bildgewaltigen Freeride-Zug auf. Alles ist jung und hip. Dafür geben viele Menschen gerne ihr Geld aus und die Bilder lassen sich mit vielen sonstigen Produkten assoziieren. Nicht nur Autohersteller aus München oder Zuffenhausen haben dies schon erkannt, auch Getränkepulverhersteller, Versicherungen und sonstige Unternehmen entdecken die Macht der Trendsportart Freeride. Und klar, diese Unternehmen schöpfen aus gut gefüllten Werbetöpfen mit großen Kampagnen.

[quote_box_center]Zum Artikel: Fit für Freeride – Training für Freerider (Teil 1)[/quote_box_center]

Die sich damit im Markt befindlichen Summen sind mittlerweile beträchtlich. Experten schätzen, dass rund ums Freeriden gehandelte Marktvolumen auf mehrere Milliarden Euro. Damit einhergehend läuft die Professionalisierung des Sports ab. Talente werden gesichtet und gefördert. Die, die es schon geschafft haben, wohnen mit personalisiertem Auto-Sondermodell in Monaco und genießen la Bella Vita. Bis dahin ist es allerdings ein weiter Weg. Ein spezifisches Training ist eine der hierzu nötigen Grundlagen.

Powder Freeride Fieberbrunn Phil Anker
Wenns der Trainer schon so gut kann… Phil Anker beim “Training”, Foto: Marius Schwager

Interview mit Phil Anker – Professionelles Training für Freerider

Um in der oberste Liga mitspielen zu können, den Körper auf Höchstleistung zu trimmen und regelmäßig auf hohem Level abzurufen, hat sich das Training der Athleten professionalisiert. Detailreich ausgearbeitete Jahrespläne regeln den Alltag der Athleten bis hin zu jeder einzelnen Übung. Powder+ hat sich mit dem ehemaligen Profi-Freerider, Skiführer, Sportwissenschaftler und Trainingstherapeuten Phil Anker unterhalten. Phil fährt nicht nur ausgezeichnet Ski, sondern versucht seine praktischen Erfahrung und das theoretische Wissen rund um die Trainingswissenschaft an die neue Generation Freerider zielgruppenspezifisch weiterzugeben.

Powder+: Du wirst als ziemlich harter Hund beschrieben…
Phil Anker: Stimmt! Jeder Coach hat so seine eigenen Strategien, um seine Schützlinge optimal für den Winter vor zu bereiten. Ich bin mit meiner Vorgehensweise in der Vergangenheit immer sehr gut gefahren, da sich die Athleten  sehr gut körperlich entwickelt haben.

P+: Brauchen deine Schützlinge dieses kleine bisschen Drill-Instructor?
Phil: Es gibt Athleten die eher eine Bremse brauchen, damit sie zum Beispiel die Regenerationszeiten einhalten und nicht in ein Übertraining fallen. Andere Athleten müssen durch eine härtere Vorgehensweise an ihr Maximum gebracht werden. Es kommt immer ganz individuell auf den Athleten drauf an, ob er/sie eher eine harte Vorgehensweise brauchen oder eher nicht. Wenn man immer im Komfortbereich trainiert wird man meiner Meinung nach nicht besser. Wellness mach ich nicht mit Ihnen :).

Der Jahresplan der Profis

Die Jahresplanung der Freerider beginnt im Mai bzw. Juni mit einer insgesamt viermonatigen Vorbereitungsperiode. Ab Oktober wird es für die Athleten dann langsam ernst, denn jetzt beginnt die noch intensivere “spezielle Vorbereitungsphase”. Neben dem Training beginnen für die Athleten dann die Off-Ski Tätigkeiten. Filmpremieren, Meetings mit den Herstellern, Verkaufsveranstaltungen.

Ab Mitte Dezember ist dann wieder die schönste Zeit des Jahres für die Skifahrer und Snowboarder. Der Schnee liegt (hoffentlich) auf den Bergen und man wechselt zwischen Skitraining, Wettkampf und diversen Film- oder Reiseprojekten. Begleitet wird dies durch ein individuell an den Einsatzplan des Athleten angepasstes Training. Das geht soweit, dass gar spezielle Hotels gebucht werden, damit nach einer Händlerschulung und gemütlichem Pistenrutschen noch eine Einheit im Kraftraum eingelegt werden kann.

Der Jahresplan: individuell auf die Verpflichtungen der Athletin abgestimmt.
Der Jahresplan: individuell auf die Verpflichtungen der Athletin abgestimmt.

Powder+: Wie individuell ist dein Trainingsprogramm für den jeweiligen AthletenIN?
Da ich immer head to head arbeite, sprich nur mit einem Athleten pro Training, ist das Programm zu 100% individuell abgestimmt. Der Athlet muss in erster Linie Vertrauen zu mir aufbauen, und ich muss mich auf den Sportler einstellen können. Die Qualität des Trainings ist deshalb auf einem sehr hohen Niveau. Einer meiner wichtigsten Grundsätze ist es dem Sportler ein sehr individuelles, abwechslungsreiches, hochwertiges und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen gestaltetes Training zu bieten.

[quote_left]Mobilität, Stabilität und Kraft = Mehr Fahrspaß[/quote_left]

Powder+: Wie wirken sich Verletzungen auf den Trainingsplan aus?
Phil: Meiner Meinung nach muss man immer differenzieren, woher die Verletzung kommt. Wird sie durch einen Crash ausgelöst, oder kommt diese Verletzung aus einer Überbelastung, fehlende Mobilität, muskuläre dysbalance etc.

Sofern Verletzungen vorliegen, muss natürlich der Trainingsplan dementsprechend adaptiert werden. Erst wenn der Athlet schmerzfrei ist und seine Gelenke richtig mobil sind, kann ich in den Bereich der Kräftigung gehen. Durch meine langjährige Erfahrung in der Sporttherapie und als Athlet gehe ich wahrscheinlich anders an das Thema Verletzung heran, wie manch Kollege.

Powder+:  Was ist dein Rat als Profi für ambitionierte Freerider?
Phil: Mehr Mobilität, Stabilität und Kraft = mehr Fahrspaß. Nicht erst im November beginnen zum Trainieren. Im Sommer werden die Weichen für einen guten Winter gelegt.

Powder+: Was wird am ehesten unterschätzt und wo kann man als „Normalo“ am effizientesten seine Fahrfreude erhöhen?
Phil: Es muss nicht immer die Kraftkammer sein. Die Natur bietet genügend Spielmöglichkeiten um ein cooles Training zu gestalten. Ein Querfeldeinlauf oder eine einbeinige Kniebeuge auf einem wackligen Stein im Stadtpark sind super Trainingsmöglichkeiten für die Koordination.

[quote_right]Nur Ausdauertraining ist zu wenig!! [/quote_right]

Extrem wichtig ist eine gut ausgeprägte Rumpfmuskulatur.  Nur wenn das Bindeglied (Wirbelsäule, Kraftwerk des Körpers, Core =Rumpf) zwischen der oberen und unteren Extremität gut arbeitet, kannst du die benötigte Kraft auf deine Ski bringen. Außerdem bewahrt sie dich langfristig vor Verletzungen des Bewegungsapparates.

Intensitäten müssen behutsam gesteigert werden. Nur im Komfortbereich zu trainieren wird dir wahrscheinlich wenig bringen, du musst auch an dein Maximum gehen. Natürlich immer in Kombination mit Regenerationsphasen.

Das Wochen bzw. 1-Monats Programm – Freeridetraining für den Hausgebrauch

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Der Wochen Trainingsplan von Phil Anker für die motivierten Freerider. Das tägliche Pensum ist abwechslungsreich und wird auf den weiteren Bildern en Detail erklärt. ©Phil Anker

Phil hat für die angehenden Freerider unter euch und solche, die ihre Leistungen und ihren Spaß steigern wollen ein spezielles 1-Monats-Programm zusammengestellt. [quote_left]Ein Monat spezielles abgestimmtes Training für Freerider im Hausgebrauch![/quote_left] Die Grundlagen zu Ausdauer, Kraft und Koordination habt ihr im ersten Teil des Fit Für Freerider-Artikels bereits gelesen.

Das Training gliedert sich in einen Wochenrhythmus und zeigt mit vielen verschiedenen Übungen die enorme Bandbreite des spezifischen Trainings auf.

Anleitung Freeridetraining by Phil Anker

Das Übersichtsbild zeigt den wichtigen Wochenplan im Überblick. Das zweite Bild in der Galerie zeigt das Aufwärmprogramm. Die einzelnen Tageseinheiten sind in den weiteren Bildern erläutert und bis ins Detail erklärt. Alle Inhalte ©Phil Anker.

Powder+Tipp

Zieht das Training für einen Monat bzw. vier Wochen nach Beschreibung durch, Im Anschluss legt ihr eine Woche „Pause“ ein und konzentriert euch auf die Sportarten, die euch Spaß machen und Abwechslung bringen. Danach steigt ihr wieder für vier Wochen in das spezifische Training ein. Zwischendrin natürlich Skifahren gehen nicht vergessen.

Ausreden gibt es ab jetzt keine mehr. Ran an den Speck!

 

 

Fotos: Phil Anker, Marius Schwager, Athleten: Phil Anker, Lorraine Huber, Location: Fieberbrunn, Loft 41 Innsbruck

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