Klaus ist Freerider. Klaus fährt für sein Leben gerne abseits der Pisten Ski, manchmal auch darauf oder geht eine Skitour. Wie viel Schlechtes Klaus der Umwelt und seinem geliebtem Sport antut, ist ihm gar nicht bewusst. Klaus ist du, Klaus ist ich. Klaus, der naturnahe Bergsportler und Umweltfreund und Klaus ist ein Klimaschwein.

Klaus ist Freerider mit Herz und Seele. Er geht gerne bei frischem Neuschnee in die Nordalpen powdern. Klaus trifft sich dort mit seinen Freunden und verbringt mit ihnen auch gerne ein Wochenende vor Ort. Manchmal geht er auch gerne eine Skitour, das ist so schön ruhig, und ihm gefällt die intakte Natur so sehr. Er fühlt sich immer wie ein echter Naturbursche danach. Einmal im Jahr geht er auch mit seiner Familie Skifahren, eine Woche, die Region wählt meist er aus. Er mag Italien und bei einer Woche ist die lange Anreise auch kein so großer Faktor, es gibt ja lecker Cafe und Pizza auf dem Weg. Klaus fährt einen Mittelklasseauto, durchschnittlich schnell, macht nichts was niemand anderes nicht machen würde.

Klaus, der Durchschnittsfreerider

Klaus fährt durchschnittlich 25 Tage Ski pro Saison, 5 davon sind Skitouren. Klaus hat etwa 150 Kilometer bis zu seinem Hausskigebiet, 250 km bis in das Skigebiet, in dem seine Freunde meistens fahren und 700 Kilometer fährt er mit seiner Familie nach Italien (4 Personen, 2 Autos, zu viert passen die Ski ja nicht ins Auto). Klaus wählt jeweils, außer bei seinen Skitouren, durchschnittliche Skigebiete, die auch ein bisschen Komfort bieten. Kurz: Klaus ist Durchschnittsfreerider. Was Klaus nicht bewusst ist, ist dass er ein richtiges Klimaschwein ist.

Klaus fährt ein durchschnittliches Mittelklasse-Auto, es verbraucht 8l Benzin je 100km. Klaus Anfahrten stoßen 765 KG CO2 in die Luft. Seine Skitage stoßen noch einmal 146 Kg CO2 dazu aus. Macht insgesamt 0,9 Tonnen Co2 durch sein Hobby Freeriden.

Mit 0,9 Tonnen Co2 kann Klaus nichts anfangen, klingt irgendwie viel, aber auch irgendwie nicht. Aktuell beraten die allermeisten Länder dieser Welt, ob und wie sie diesen Planeten retten wollen. Klar ist, je mehr Co2 in die Atmosphäre gepustet wird, desto wärmer wird das Klima, desto mehr wird auch Klaus Freeridevergnügen leiden. Weniger seiner geliebten Treeskiing Tage und eine kürzere Saison und kein Einschwingen mehr am Gletscher sind die sichere Folge. Die Folgen für andere Teile der Erde blendet Klaus erfolgreich aus seinem Nordalpenhorizont aus.

Klaus, das Durchschnitts-Klimaschwein

Was Klaus nicht klar ist, ist der Fakt, dass, würde jeder Erdenbürger so umweltschädlich handeln wie er, wäre diese Welt – und wir haben ja bekanntlich nur eine – ziemlich schnell ziemlich kaputt. Aktuell verbraucht Klaus, der Durchschnittsdeutsche, etwa 10 Tonnen Co2 jährlich plus seine 1 Tonne für das Skifahren. Würden alle Erdenbürger gleich viel verbrauchen und wollte man die menschengemachte Klimaerwärmung auf das 2° Ziel beschränken dürfte Klaus jährlich insgesamt nur 2,5 Tonnen verbrauchen. Klaus ist da ziemlich weit darüber, noch ein bisschen mehr als seine Freundin Else, die Einfältige, die alles sonst mit Klaus macht, außer das Skifahren. Else geht nämlich lieber stricken statt Skifahren. Else ist weniger Klimaschwein als Klaus.

Klaus war das alles so nicht bewusst und er fragt sich was er tun kann. Er könnte z.b. ganz generell weniger Skifahren. Er könnte weniger im Auto fahren und insbesondere nicht mehr alleine fahren und dabei mehr Skitouren gehen statt Lifte nutzen. Er könnte auch generell mal anfangen an seiner Klimabilanz zu arbeiten. Und der von Else. Eines ist Klaus aber nun klar, er muss etwas ändern, freiwillig, sonst ändert es sich gezwungenermaßen irgendwann. Denn Klaus möchte ja, dass auch mögliche Kinder von ihm und Else Skifahren gehen können.

Schlaubi, das besonders schlaue Naturschwein

Klaus hat auch einen Freund, Schlaubi, der besonders schlaue Skibumstudent aus Innsbruck. Der fährt 100 Tage im Jahr Ski im Skigebiet und hat „nur“ durchschnittlich 50km oneway Anreise. Schlaubi der naturnahe Student stößt 2,5 Tonnen Co2 je Skisaison extra in die Umwelt und verbraucht alleine damit so viel wie jedem einzelnen Erdenbürger insgesamt zusteht.

Klaus und Schlaubi gehen die Tage mal ein Bier zusammen trinken und denken scharf nach, ob sie bei der nächsten Wahl vielleicht doch nicht das Kreuzchen bei „mehr für die Umwelt“ machen, statt „mehr für den eigenen Geldbeutel“. Das wäre immerhin ein kleines bisschen weniger Klimaschwein.

Quellen

Datengrundlage für de Verbrauch der Skigebiete wurde der Wert der Weisse Arena Gruppe genommen: 7,84 Kg CO2 je „skier day“, d.h. je Skitag für einen Skifahrer (Quelle). Verlässliche Werte des Verbrauchs zu erhalten ist quasi unmöglich, da die Verursacher keine nachprüfbaren Zahlen veröffentlichen möchten. Die Werte reichen von 0,9 KG Co2 (Seilbahnverband Österreich)  bis 21,4 kg Co2 in Aspen (Quelle: Gossling, S.: Carbon Management in Tourism: Mitigating the Impacts on Climate Change, S.80)

Umrechnugn KwH, Umrechnung Benzinverbrauch CO2

Anmerkung: Herstellungskosten des Auto, sonstige Materialherstellung, Transport sowie alle sonstige Umweltbelastungen werden hier der Einfachheit und Verständlichkeit zuliebe nicht berücksichtigt. Ebenso werden nicht die Einsparung durch die Aktivitäten berücksichtigt, die Klaus machen würde, wenn er nicht Skifahren gehen würde. Ingesamt entsteht hier ein wesentlich zu positives Bild des Durchschnitts-Klaus. Zb: Bei der Kilometerbasierten Berechnung des CO2 Ausstosses eines Autos müssten die Herstellungs und Reparaturmaterialien etc miteinberechnet werde, der Wert wäre um 100% höher.

Der Wert 2,5 Tonnen CO2 je Kopf stellen den klimaverträglichen Wert da, den jeder Erdbürger 2014 konsumieren dürfte, also den Wert, bei dem wir wirklich nachhaltig leben würden, also nicht den Planeten und Folgegenerationen auf Pump verpesten (Quelle: Umweltbundesamt).

 

2 COMMENTS

  1. Servus, da ich so gerne deine bergtrolligen Beschreibungen der Freeride Realsatire lese, habe ich mich heute dazu durchgerungen (auch um die 100% Reaktionsquote in Echtzeit zu testen), deinen Beitrag, wie heute auf FB angeregt, mit eigenen Erfahrungen /Selbstbeobachtungen zu kommentieren. Ich machs auch nicht über facebook, weil ich Social Media so deprimierend finde und natürlich auch Angst habe, nicht genug Likes zu bekommen…;-)

    Also, ich bin und bleibe leider auch so ein Klimaschwein, (die Beschreibung von Klaus trifft es ganz gut), denn:

    der Besitz einer Saisoncard macht das Schweinsein manchmal sogar noch schlimmer: man geht einfach fast jeden freien Tag fahren, (Prinzip zunehmender Grenznutzen oder wie heißt das, wenn der Tagespassdurchschnittspreis immer weiter sinkt?) und an manchen Tagen mit äußerst moderaten Bedingungen sitze ich in Summe länger im Auto als ich Zeit im Schnee (sofern vorhanden) verbringe. Das sollte man sich zumindest mal bewusst machen…

    Und ich will mein Schweinsein auch gar nicht beschönigen durch die nun folgenden Relativierungen (die mögen anderen als best practice dienen oder auch nicht, je nach Ausgangsniveau und getreu dem Motto „schlimmer geht’s immer“):

    – ich fahre wenigstens nicht jedes Jahr nach Japan oder BC zum Powdern, was noch ärger wär für die Ökobilanz (der wahre Grund: ich hebe mir meinen Jahresurlaub nämlich geizig für die Surfurlaube mit dem Flugzeug auf…)
    – meine Eltern wohnen eh auf dem Weg ins Skigebiet und da kann ich dann übers Wochenende übernachten und verbessere somit meine Ökobilanz um wahnsinnige 70 km (!) oneway!
    – ich fahre bei jedem Wetter mit dem Rad zur Arbeit, weil es ausreicht, am Wochenende im Stau zu stehen
    – ich habs mir echt abgewöhnt bei mäßiger Schneelage durchs Gelände oder den Jungwald zu „shredden“ (daher kommt wohl dieser lautmalerische Begriff) und mein Belag dankt es mir ebenso wie die Vegetation (er sieht trotzdem schlimm aus, der Belag).
    – ich versuche, Skigebiete mit heavy Schneekanonen-Einsatz oder generell die Vorsaison (diese geht schneetechnisch mittlerweile bis Mitte Januar) eher zu meiden
    – meistens fahren wir immerhin zu zweit, aber manchmal wenn the significant other ausfällt (er will ned schifahrn, aber er muass) und noch ein Plätzchen im Allradauto (spart Aluminium für die Schneekettenherstellung) frei wäre, liebäugle ich mit Plattformen wie „go-shred“ und machs dann doch nicht, weil ich denke, ich bin zu alt und zu wenig hip hop / funpark oriented für das sich dort tummelnde Klientel.Aber die Idee dahinter finde ich super – gibt es eine vergleichbare Plattform für abfahrtsorientierte Freerider Ü35? Also etwas, das lifestyle-mäßig irgendwie zwischen Instagram und dem zünftigen „Suche/Biete“-Teil im DAV Monatsmagazin anzusiedeln wäre?? Seriously, sowas vermisse ich echt 🙂
    – immerhin: ich nehme meine selbstgemachte Brotzeit in einer wiederverwendbaren Dose mit, welche mir seit Jahren treue Dienste leistet, Wahnsinn oder? (Nachteil: der Hüttenwirt verdient nix an mir…)

    Also kurz und gut, ich bekenne mich genauso schuldig wie wahrscheinlich viele von uns und kann einfach nur versuchen, an der Gesamtbilanz (wie verhalte ich mich sonst im Alltag bzgl. meines ökologischen Footprints) rumzudoktern – und es gibt viele Bereiche (Weg zur Arbeit /in die Stadt fahren, Müllvermeidung, Nahrung etc.), wo es mir viel leichter fällt als bei dem was ich am liebsten tue, mich etwas umweltbewusster/klimafreundlicher zu verhalten – und ich versuche es eben damit etwas zu „kompensieren“. Ist wahrscheinlich für viele Powderjunkies, die nicht direkt im Skigebiet wohnen, der machbarste Kompromiss….danke für den Artikel!

  2. Unglaublich, jemand schafft es heutzutage aus dem FB-Erlebnis herauszuclicken und selbstständig zu denken und zu reflektieren! Bist du sicher, dass du keinen Arzt konsultieren magst? 😉

    – Kleine ökonomische Hilfe: Eine Saisonkarte hat einen positiven abnehmenden Grenznutzen. #smileyface
    – Thema Jungwald: Das ist regional ganz unterschiedlich. In weiten Teilen Tirol z.b. wird die Almfäche seit 2-3 Jahrzehnten durch Verbuschung (Vorstufe de Verwaldung) deutlich höher. In Folge verschwindet das kulturelle Erbe und der Touristenmagnet “Almwiesenlandschaft”. Ohne da tiefer einsteigen zu wollen, könnte man sich einen positiven nachhaltigen Nutzen einreden. Da wir eh nur noch Nutzwald in den Skitechnisch interessanten Bereichen der Alpen haben, finde ich das persönlich vertretbar hier der Klaus zu sein. Da gibt es meiner Meinung nach wichtigere Themen. Ist aber nur eine subjektive Meinung, die sicherlich davon beeinflusst ist, dass Treeskiing der Grand Cru des Freeridens für mich ist (eine mächtige Schneedecke vorausgesetzt).
    – “lifestyle-mäßig irgendwie zwischen Instagram und dem zünftigen „Suche/Biete“-Teil im DAV Monatsmagazin anzusiedeln wäre??” Mit oder ohne integrierter Partnersuche jetzt? Einige Quellen berichten von mitunter großen Erfolgen auf Tinder! Da scheint man ganz tolle Erfahrungen für viele Lebensbereiche machen zu können. #hörensagen 😉 Go-Shred ist ne nette Idee, klar, funktioniert aber quasi aufgrund der persönlichen Faulheit und gesellschaftlichen Statussymbolik des Automobils leider nicht (“mein Haus, mein Auto, meine Frau”). Ansonsten würde ich einfach mal 5-10 Jahre warten. Die deutschen, tendentiell eher konservativen Autohersteller sagen den hiesigen Einsatz von Roboterautos binnen 5 Jahren voraus. Ein Bier für denjenigen, der sich als erstes von einem Taxi-Roboterauto von einer Skitour/Freerideabfahrt abholen lässt! Ernsthaft! Übrigens: BMW rechnet mit Taxiroboterautokosten von 10 Cent je Kilometer in 10 Jahren (inflationsbereinigter Wert), aktuell liegen wir, je nach Automobil und Nutzung, bei ca 20-80 Cent (zuzüglicher der Zeit um das Auto fahrbereit zu halten und der eigentlich verschendeten Fahrzeit an sich). Meine Wette: In 20-30 Jahren wird man auf stinkende PSprotzende Selbstfahrer wie auf den Kutscher der Postkutsche zurückblicken.

    Ich kann da nur empfehlen weiterhin ausserhalb des gesellschaftlichen “normalen” Rahmens zu denken. Es gibt ziemlich viele Ansätze und Lösungen oder zumindest Vorschläge was Transport, Lebensweise, Nahrung etc betrifft. Evtl mach ich mal ne ganze Reihe daraus. Fakt ist eben, wenn wir uns weiter so verhalten wie aktuell, gibts in 50 Jahren nur noch sehr wenig skifahren. Von den immens größeren, weltweiten, gesellschaftlichen Problemen und Wandlungen ganz abgesehen.
    Eigentlich war eine solche Themenreihe diese Saison schon geplant durchzuführen. Man hat aber kurzfristig entschieden das Geld für sinnvollen Journalismus lieber in den großen Tank eines SUVs zu füllen, um auf dem Skigebietsparkplatz zu glänzen. Nachvollziehbare Entscheidung, was wären wir schliesslich ohne Skigebietsparkplatzlifestyle! 😉

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