Wer heutzutage unverspurte Hänge fahren will, muss entweder unglaublich schnell oder leichtsinnig sein. Oder man geht auf Freeride-Tour und erarbeitet sich seine Abfahrt aus eigener Kraft. In ansprechend geneigtes Gelände zu gelangen ist allerdings nicht unbedingt die einfachste Sache. Neben Sicherheitsaspekten gilt es auch einige alpine Skitourentechniken zu beherrschen. Ein unverzichtbares Element sind Spitzkehren. Mit diesen Tipps und etwas Übung sollte es klappen, sicher um die Ecke zu kommen.

Bei durchschnittlichen Schneebedingungen ist es nicht nötig bis zu einer Steilheit von etwa 28-30° Spitzkehren zu gehen. Dies ist ein interessanter Sicherheitsaspekt zur Selbstkontrolle: ab dieser Steilheit sind Lawinen möglich. Sind die Bedingungen heikel und du kannst keine Kurven mehr gehen, ist das Gelände eher grenzwertig steil. Spitzkehren ermöglichen es dem Skitourengeher Hänge über 30° bis etwa 40° Steilheit hochzugehen, ist der Hang nicht breit genug.

Aufpassen muss man bei steilen Hängen und speziell bei hartem Schnee, typischerweise z.B. auf Frühjahrstouren. Hier ist der feste Stand auf dem jeweiligen Standbein mitunter ein echter Balanceakt, der viel Übung braucht. Wer nicht rumkommt, schaut oft doof aus der Wäsche. Da alle anderen Methoden, inklusive im Schnee wälzen, zur Richtungsänderung nicht sonderlich effektiv sind, empfiehlt es sich als Freerider diese Technik ausreichend gut und sicher zu beherrschen.

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Ihr braucht: Aufstiegsfähige Bindung, Skitourenfelle, Beweglichkeit, Koordination, Kondition, Ausdauerwille. Versucht besser nicht in hartem Schnee in steilen Hängen aufzusteigen und Spitzkehren dort zu üben. Zunächst übt ihr die Bewegung im Stand im Flachen und tastet euch in allmählich steileres Gelände vor. Wenn ihr euch unsicher fühlt, weil z.b. der Schnee zu hart und rutschig ist, geht lieber wieder einen Schritt zurück und lasst euch vor Ort Tipps von erfahreneren Leuten geben.

Durchführung Schritt für Schritt

  • Letzter Schritt mit dem Talski erfolgt nahezu horizontal.
  • Letzter Schritt mit dem Bergski wird unbelastet ausgeführt.
  • Stöcke weit seitlich zur Stabilisation nutzen.
  • Gewicht voll auf den Talski.
  • Der neue Talski Ski wird angehoben, gedreht und in der neuen Gehrichtung gesetzt.
  • Gewichtsverlagerung komplett in einem Schwung auf den neuen Talski.
  • Sicherer Stand auf neuem Talski
  • Anheben des alten Talski nach hinten
  • “Kick” auf den Fersenteil und dabei Ski aus der Hüfte mit geübtem Timing drehen
  • Zweiten Ski aufsetzen, Spitzkehre beendet.

Wichtige Details

Zunächst mit beiden Beinen auf gleicher Höhe gehen. Dort wo der Drehpunkt ist, befindet sich euer Skischuh. Beachte, dass dir die Skistöcke Stabilität geben sollen und kein Stolperstöckchen werden. Eine fixe Position für sie hilft dir Stabilität zu geben. Das Gewicht ruht zunächst auf dem Talski, und man dreht den Bergski über das Skiende. Je weiter du drehst, desto weniger groß fällt der Ausfallschritt aus, desto beweglicher muss deine Hüfte aber sein. Der neue Talski sollte nicht zu steil, lieber flach in den Hang gesetzt werden. Schaffst du es nicht ganz rum, hilft dir ein Stockeinsatz am Skiende das Heck herumzuwuchten (siehe 1. Video).

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Entscheidend und kritisch ist nun der folgende Ablauf: Die Gewichtsverschiebung vom bisherigen Standbein (“alter” Talski) auf das neue Standbein (“neuer Talski”). In steilen Gelände und bei viel Schnee oder hartem Schnee braucht dies einiges an Übung und Balancegefühl.

Ist dein Gewicht vollends und sicher auf dem neuen Talski musst du “nur” noch den alten Talski anheben, drehen und nachführen. Der alte Talski wird dazu angehoben indem das Bein nach hinten gehoben wird. Schließlich erfolgt der berühmte “Kick”, ein Ausschlagen des Beines, wie es ein Pferd tun würde, wenn ihm der Reiter nicht passt. Dadurch wird das Skiende nach unten und die Skispitze nach oben “gekickt”. Ohne diese Kick geht es oftmals auch, braucht aber einen längere Balanceakt und funktioniert nicht je nach Montagepunkt/Bindung unterschiedlich.

Ohne dieses Warten der Kicken, wird sich die Skispitze wohl am Hang verfangen. Das kann lustig für die Zuschauer sein, ist aber nicht effizient und zielführend für den Ausführenden. Nach dem Kick bzw dem Abklappen des Skihecks wird schließlich das Bein aus der Hüfte gedreht und der Ski in die neue Richtung gesetzt. Eh voila. Spitzkehre erfolgreich gemeistert. Übung macht auch hier den Meister. Es gibt wohl wenige Themen, über die man so herrlich beim Aufsteigen philosophieren kann, wie die ordentliche, flüssige Ausführung von Spitzkehren. Manch einer soll gar besessen von einer ordentlichen Spitzkehrenspur sein, munkelt man.

Spitzkehren gehen im Video

Weitere Schulungsvideos zum Thema Spitzkehren gehen und zur Verdeutlichung bzw. dem Aufzeigen der verschiedenen Grundtechniken findet man in den bekannten Videoplattformen.

Wichtig: Freerideski sind oft länger als Tourenski, daher ist die Spitzkehre deutlich schwieriger zu bewältigen. Im zuerst gezeigten Video haben die Protagonisten etwa körpergroße Freerideski +5cm (185 -190cm).

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