Smartphone-App als LVS-Ersatz? Drei Lawinen-Apps vorgestellt

Isis Smartphone Lawinen App
Isis Smartphone Lawinen App

Eine Smartpohne-App als LVS-Ersatz? Was für die einen nicht vorstellbar ist, darauf haben andere womöglich schon lange gewartet. Für diese Saison 2013/2014 sind drei Smartphone-Apps verfügbar, die das gängige LVS überflüssig machen wollen. Alles wissenswerte, ob die Apps einen Test wert sind und euer LVS ersetzen oder euch einen Kauf ersparen, sagen wir euch im Artikel.

WARNUNG

Dies ist eine Warnung an alle Informierten und weniger Informierten: Nutzt diese Lawinen-Apps NICHT zur Lawinenverschütteten Suche! Zieht es nicht einmal in Betracht. Das System mag für wenig Informierte in den Werbevideos schlüssig wirken, der Preis ist attraktiv, und wieso ein altes System verwenden, wenn es dafür eine App gibt. Die drei Lawinen Smartphone-Apps sind:

Isis Smartphone App

Zur App: http://www.isis-application.com

SnoWhere Smartphone App

Zur App: http://charcoalfrost.com/

(Stand 3.12.2013 scheint die App nicht mehr verfügbar. Sowohl im iTunes Shop als auch auf der nicht mehr funktionstüchtigen Website ist die App verschwunden)

Snog – Avalanche Buddy Smartphone App

Zur App: http://www.avalanchebuddy.com

Alle drei Smartphone Apps nutzen die auf den Endgeräte verfügbare Technologien Wifi, Bluetooth und GPS sowie Telefonsignal auf unterschiedliche Weise und kombinieren diese teilweise. Auf die genauen Details wie die 3 verschiedenen Apps funktionieren und wie der Rettungsablauf sein soll, brauchen wir an dieser Stelle zu diesem Zeitpunkt nicht einzugehen. Sie funktionieren aus folgenden Gründen sowieso nicht.

Gründe warum Smartphone- Apps nicht als LVS-Ersatz funktionieren

  1. Smartphone-App-Systeme nicht kompatibel mit dem gängigen 457kHz-System.
  2. Keine Kompatibilität zwischen den Smartphone Apps.
  3. Mangelnde Robustheit: Smartphones sind nicht dazu ausgelegt in Grenzsituationen zu funktionieren (Erschütterungen, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag) und haben eine vergleichsweise hohe Ausfallwahrscheinlichkeit.
  4. Signalstärke ist zu schwach! Dichter Wald und unter einer mitunter meterhohen Lawine begraben verringert sich der Signalempfang von GPS, Handy-Signalen (Umts, Gprs, G3), Bluetooth und Wifi drastisch.
  5. Ausfallchance ist hoch! Smartphone-Batterien sind schwach, in kalten Bedingungen verweigern sie bekanntermaßen auch gerne ihren Dienst und reichen konstruktionsbedingt nnicht an die auf Zuverlässigkeit getrimmten Lawinenpiepser (LVS) heran.
  6. Eventuell auftretende Interferenzen zwischen Smartphones und LVS.
  7. Es gibt keinerlei Feldtests oder vertrauenswürdige Erfahrungsberichte von unabhängigen Institutionen.

Was also tun?

Um den in der Schirmbar vergessenen Rucksack oder das verlorene Smartphone wiederzufinden mögen diese Apps geeignet sein. Zur Absetzung des Notrufs könnten die beiden Apps iSis und Sno

aber auf keinen Fall sind sie es für die Lawinen-Verschütteten Suche. Wer sie dennoch verwendet, oder andere bei der Verwendung beobachtet handelt grob fahrlässig und verliert im Notfall seinen einzigen, kleinen Rettungsanker und verwehrt auch anderen diese letzte greifbare Rettungschance. Man schaue sich nur die amateurhaften Werbevideos von Snowbuddy an und den sogenannten „Testaufbau“.

Ein Blick in die Zukunft – das smarte LVS

Keine Frage, es klingt verlockend nun auch mit dem kleinen Alltagshelfer sich Lawinensicherheit erkaufen zu können. Vielen ist die Investition in ein originäres LVS (-Set) zu teuer, und auch die Bedienung ist im Vergleich zu den meisten Smartphone-Apps generell umständlich, langsam und wenig sexy. Vorstellbar ist, dass man dank dieser Apps einen verlorenen Gegenstand, oder das eigene Auto auf dem Massen-Parkplatz leichter wiederfindet jedenfalls schon. Warum also nicht mal 5 oder 10 Jahre weitergedacht: Eine praktikable Fusion von Smartphone und LVS.

Die Smartphone Apps zeigen, wie benutzerfreundlich Lawinen-Verschüttetensuche sein könnte, wenn es gelingen würde das schon über drei Jahrzehnte gültige System der LV-Suche in die digitale Neuzeit zu katapultieren. Potential in der Verschmelzung eines zuverlässigen LVS-Geräts mit der Nutzerfreundlichkeit eines Smartphone kombiniert ist prinzipiell vorstellbar. Ein solches Gerät würde Einsteigern den Zugang zur Thematik erleichtern, könnte auch für Profis Rettungszeiten verringern und Überlebenschancen bei Unglücken mit potentiell hoher Opferzahl erhöhen.

Eine offizielle Stellungnahme zu den drei Smartphone-Apps gibt es vom Canadian Avalanche Centre. Auch diese anerkannte Instutition spricht eine klare Warnung zu den Smartphone-Apps aus.

“Canadian Avalanche Centre Warns Backcountry Users About New Smartphone Apps

Apps marketed as transceivers give users false sense of protection

Oct 24, 2013, Revelstoke, BC: Smartphone avalanche search applications that are marketed as avalanche rescue systems are not recommended, says the Canadian Avalanche Centre (CAC). Three European-made apps are presenting themselves as economical alternatives to avalanche transceivers, the electronic device used by backcountry users to find buried companions in case of an avalanche.

After close examination, the CAC has found a number of issues with the technology. Two of the main issues are compatibility and frequency range. All avalanche transceivers conform to an international standard of 457 kHz. Regardless of the brand, all transceivers can be used to search and find other transceivers. “Not only are these new apps incapable of connecting with other avalanche transceivers, they are also incompatible between themselves, so one type of app can’t find another,” explains CAC Executive Director Gilles Valade.

The 457 kHz standard was chosen because it transmits very well through dense snow, is not deflected by objects such as trees and rocks, and is accurate. “None of the various communication methods used by these apps come close to that standard,” adds Valade. “WiFi and Bluetooth signals are significantly weakened when passing through snow, and easily deflected by the solid objects we expect to see in avalanche debris. And the accuracy of a GPS signal is nowhere near the precision required for finding an avalanche victim. ”

Other critical issues include battery life, robustness, reliability and interference. “These apps are being actively marketed as software that turns a smartphone into an avalanche transceiver but the CAC has serious concerns about their vulnerabilities,” says Valade. “We are warning all backcountry users to not use any of these apps in place of an avalanche transceiver.”

The three apps are:

– iSis Intelligent (Mountain) Rescue System http://www.isis-application.com/en/

– Snøg Avalanche Buddy: http://www.avalanchebuddy.com/

– SnoWhere: http://charcoalfrost.com/

For more information:

Mary Clayton, CAC Communications Director

250.837.2141 (228)

250.837.1492

mclayton@avalanche.ca”

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